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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
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Looking for Child to be on Cover of a New Book, 'The Model Child'
PHILADELPHIA, Pa. -- The Philadelphia literary world will celebrate the launch of two new players today, April 10th: Kay Square Press, a new publishing company focused on Philadelphia-area artists, their stories, and their art; and Kay Square's first release, 'With the Rich and Mighty: Emlen Etting of Philadelphia' (ISBN: 978-0-9815129-0-7), a critical biography by Kenneth C. Kaleta.

FlatSigned Press Alleges Don Imus Remarks Damage Legacy of President Gerald R. Ford
NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).


Books: Mein Leben und Streben

K >> Karl May >> Mein Leben und Streben

Pages:
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Leider aber erwiesen sich meine Hoffnungen als truegerisch.
Fischer konnte meine Originalmanuskripte nicht
bekommen; sie waren nicht mehr da; sie waren wirklich
vernichtet. Es war ihm also unmoeglich, sich aus einem
"Schundverleger", wie er sich in einem Briefe an mich
bezeichnete, in einen Buchverleger zu verwandeln. Er
machte zwar den Versuch, auch ohne meine
Originalmanuskripte zu einem Originalroman zu kommen, um
den Schund dann fallenlassen zu koennen, aber ich musste
ihm dabei die Hilfe, die er von mir forderte, versagen.
Er verlangte naemlich von mir, dass ich den Schund aus
dem Gedaechtnisse in seine fruehere, einwandfreie Fassung
zurueckveraendere; das aber war bei einer Fuelle von
ungefaehr dreissigtausend engbeschriebenen Seiten ein Ding
der absolutesten Unmoeglichkeit. Er bestand aber auf
seinen [sic] Schein, auf unsern [sic] Vergleich, und obgleich er das
nicht leisten konnte, was er versprochen hatte, sollte ich
doch Alles tun, was grad seinetwegen unmoeglich war.
Daraus ergab sich ein neuer Zwist und ein neues Kaempfen,
welches sich ueber seinen Tod hinaus erstreckte und
erst von seinen Erben zum friedlichen Ende gefuehrt worden
ist. Diese sahen klarer als er, und sie waren ruhigen,
unbefangenen Gemuetes. Sie waren Fachleute, naemlich
Rechtsanwaelte, Kaufleute, Buchdruckerei- und
Buchbindereibesitzer. Sie vereinigten sich zu folgender
Erklaerung:

| "In einem zwischen Herrn Karl May und |
| den Erben des Herrn Adalbert Fischer anhaengig |
| gewesenen Rechtsstreite haben die Fischerschen |
| Erben erklaert, dass die im Verlage der Firma |
| H. G. Muenchmeyer erschienenen Romane des |
| Schriftstellers Karl May im Laufe der Zeit |
| durch Einschiebungen und Abaenderungen von |
| dritter Hand eine derartige Veraenderung erlitten |
| haben, dass sie in ihrer jetzigen Form nicht mehr |
| als von Karl May verfasst gelten koennen. Herr |
| May ist zur Veroeffentlichung dieser Erklaerung |
| ermaechtigt worden. |

| Dresden, im Oktober 1907. |

Unterzeichnet ist diese Erklaerung von Frau Elisabeth
verw. Fischer durch Kaufmann Arthur Schubert,
Buchdruckereibesitzer Otto Fischer, Buchbindereibesitzer Alfred
Sperling, Rechtsanwalt Trummler, Rechtsanwalt Bernstein,
Rechtsanwalt Dr. Elb. Leichtfertige Menschen
haben behauptet, dass diese Erklaerung nur von Kindern
und unmuendigen Personen abgegeben worden sei. Man
sieht auch hieraus, mit welchen Waffen man gegen mich
kaempft. Fuer mich aber ist die Abteilung Fischer meines
Muenchmeyerprozesses hiermit abgetan. Die Abteilung
Pauline Muenchmeyer aber besteht nach wie vor. Ihr
habe ich mich in Folgendem nun zuzuwenden.

Ich scheue mich nicht, dieser Abteilung das Programm,
welches ich von Fischer erfuhr, voranzusetzen,
naemlich:

| "May ist vorbestraft. Er hat das zu |
| verheimlichen. Wir haben ihn in der Hand. Zwei |
| Zeilen genuegen, so ist er still. Wenn er uns |
| verklagt, so machen wir ihn durch Veroeffentlichung |
| seiner Vorstrafen in allen Zeitungen |
| durch ganz Deutschland kaput. Was May mit |
| Muenchmeyer ausgemacht hat, ist gleichgueltig. |
| Hauptsache ist, wer den Eid bekommt. Und dass |
| May ihn nicht bekommt, dafuer wird man zu |
| sorgen wissen." |

Fischer hat dieses Programm nicht etwa nur privatim
geaeussert, sondern auch durch seine Aussage in den Akten
festgelegt, und es ist im Verlaufe des nun neunjaehrigen
Rechtsstreites ununterbrochen bestaetigt worden. Von dem,
was Rechtsanwalt Dr. Gerlach im Namen seiner Klientin
Pauline Muenchmeyer alles unrichtiger Weise behauptet
oder abgeleugnet hat, will ich hier nicht sprechen. Mich
aber hat er gleich von allem Anfang an als einen Menschen
hingestellt, der in hoechstem Grade eidesunwuerdig
ist. Es ist mir unmoeglich, alle die beleidigenden Schimpfworte
hier aufzuzaehlen, mit denen er mich nun schon seit
neun Jahren ueberschuettet, ohne dass ich ihn dafuer bestrafen
lassen kann, weil er als Anwalt unter dem Schutz
grad jenes Paragraphen steht, welcher mich zwingt, von
ihm zu dulden, was sich kein Anderer jemals erlaubt.
Von den Richtern wiederholt zurechtgewiesen und von
andern Anwaelten zur Rede gestellt, bleibt er dieser seiner
Spezialitaet doch treu. Zur Ausfuehrung des Muenchmeyerschen
Programms war es zunaechst noetig, zu meiner
Strafliste zu gelangen. Zu diesem Zweck wurde eine
Beleidigungsklage fingiert, die man sofort zuruecknahm,
als der Zweck erreicht war. Von da an tauchten in den
Zeitungen mehr oder weniger verbluemte Notizen ueber
meine Vergangenheit auf. "Ich weiss noch mehr!" schrieb
der Eine; "Sie wissen wohl, was ich meine, Herr May?"
fragte der Andere. Das "Kaputmachen" begann. Aber
der Spiritus rector, der eigentliche Taeter, blieb stets
schlau hinter dem Busch; er zeigte sich nie; er wirkte
stets durch Andere. Sein Arbeitsfeld ist weit ueber seine
Berufspflichten hinaus ausgedehnt, sein Briefwechsel ein
sehr umfangreicher, fast nur Karl May betreffend. Er
steht mit allen meinen literarischen Gegnern in inniger
Beziehung, und wo in einem Blatt von mir die Rede
ist, da pflegt ein Brief von ihm oder von einem seiner
Vertrauten sich einzustellen. Und man glaubt ihm fast
ueberall. Man glaubt ihm, wie Cardauns seinerzeit dem
Luegner glaubte, der ihm weismachte, dass ich die
Muenchmeyerromane genau so geschrieben habe, wie sie im Druck
erschienen sind.

Dieser Herr Dr. Hermann Cardauns ist von dem
sehr dunklen und sehr haesslichen Punkte, den man in der
zeitgenoessischen Literaturgeschichte als Karl May-Hetze
bezeichnet, unzertrennlich. Er hat es nicht anders
gewollt. Er steht da eng vereint mit Leuten, zu denen er
eigentlich nicht gehoert. Er hat auch das gewollt. Sein
niederschmetternder Stil, seine infallible Ausdrucksweise,
seine "abgrundtiefen" oder "evidenten" Verdoppelungsworte
haben Schule gemacht, besonders bei denen, welche
mir Stricke drehen, um mich "aus der deutschen Kunst
hinauszupeitschen." Aber alles, was er in Vortraegen
und Zeitungen gegen mich zusammengesprochen und
zusammengeschrieben hat, bildet nicht etwa eine feste Saeule,
an der niemand zu ruetteln vermag, sondern einen aus
lauter vagen Indizien zusammengeleimten Papierdrachen,
dessen Schnur niemand mehr halten will, es sei denn
Herr Cardauns selbst. Es ist gewiss sehr viel blinder
Glaube dazu noetig, gleich ihm zu denken, dass meine
"Unsittlichkeiten" auch noch in anderer Weise bewiesen
werden koennen, als nur durch Vorlegung meiner
Originalmanuskripte. Der Wortschwall tut es nicht; auch
Behauptungen bleiben ohne Erfolg, wenn sie nicht bewiesen
werden. Man liest in den Cardaunsschen Aufsaetzen
gegen mich zwar viel von Akten, Dokumenten und sonstigen
Beweisen, die er ueber meine Schuld besitze; aber
bis jetzt habe ich noch kein einziges Aktenstueck und kein
einziges Dokument zu sehen bekommen. Es scheint, dieser
Herr besitzt einen aelteren Muenchmeyerschen Druck und
eine spaetere Fischersche Ausgabe und haelt den ersteren
fuer gleichlautend mit meinem Originale. Es ist fuer mich
aber wirklich unmoeglich, dass einem "Haupt- oder
Chefredakteur" solche Irrungen passieren koennen. Ich gebe
ja gern zu, dass er keine Ahnung davon hat, wie es in
einem beruechtigten Schund- und Kolportageverlag zugeht
und was fuer Schwindel da getrieben wird, aber das ist
keine Entschuldigung, sondern eine Belastung fuer ihn,
denn wenn er das nicht weiss, so sollte er sich auch nicht
gestatten, Schluesse mit der Logik des Kolportageschmutzes
zu ziehen, die man nur mit der Logik ehrenhafter Leute
ziehen darf. Die ungeheuren Erfolge der umgearbeiteten
Schundromane hatte Fischer nur den ueberlauten Trommel-
und Paukenschlaegen des Herrn Cardauns zu verdanken.
Selbst der unfaehigste Politikus weiss, dass man solche
Dinge durch Schweigen toetet, nicht aber durch Gongs
und Tamtams. Mir aber, der ich durch diese Tamtams,
diese Vortraege und Zeitungsartikel erschlagen werden
sollte, wurde es durch sie unmoeglich gemacht, den Schund
so, wie ich wollte, gaenzlich aus der Welt zu schaffen.
Mein Wollen war gut; da aber der Herr Cardauns meine
Gegner foerderte, indem er mich hinderte, hat er sich um
die Muenchmeyersche Kolportage ein Verdienst erworben,
welches man ihm nie vergessen wird. Er ist waehrend
der ganzen, langen Zeit bis hierher ihr treuer Champion
gewesen, ob gewollt oder ungewollt, ist in Beziehung auf
die Wirkung gleich.

Der zweite, den ersten auch geistig hoch ueberragende
Champion fuer die Muenchmeyersache ist der aus der
christlichen Kirche ausgetretene Sozialdemokrat a. D.
Herr Rudolf Lebius in Charlottenburg. Ich gebe ueber
ihn einen Auszug meines Schriftsatzes an die vierte
Strafkammer des Koeniglichen Landgerichtes III in Berlin:

"Ich reiste im Jahre 1902 im Sueden und wurde
am Gardasee von einer heimatlichen Postsendung erreicht,
bei der sich auch eine Zuschrift eines gewissen Lebius
befand, der sich in ganz ueberschwenglicher Weise als einen
grossen Kenner und Bewunderer meiner Werke bezeichnete
und die Bitte aussprach, mich einmal besuchen zu duerfen.
Diese Ueberschwaenglichkeit erregte sofort meinen Verdacht.
"Der will Geld, weiter nichts," sagte ich mir.
Ich antwortete ihm, dass ich nicht daheim sei und ihn
also nicht empfangen koenne. Hierauf schrieb er mir am
7. April 1904:

"Sehr geehrter Herr!

Schon vor anderthalb Jahren versuchte ich, mich
Ihnen zu naehern, wovon die inliegende Karte ein
Beweis ist. Inzwischen habe ich hier eine neue Zeitung
herausgegeben, die grossen Anklang findet. Koennen
Sie mir vielleicht etwas fuer mein Blatt schreiben?
Vielleicht etwas Biographisches, die Art, nach der Sie
arbeiten, oder ueber derartige Einzelheiten, fuer die sich
die deutsche May-Gemeinde interessiert. Ich wuerde
Sie auch gern interviewen.

_Mit_vorzueglicher_Verehrung_
Rudolf Lebius,
Verleger und Herausgeber."

Lebius hatte also meine damalige Karte sorgfaeltig
aufgehoben, um sich Eingang bei mir zu verschaffen. Er
unterschrieb sich "mit vorzueglicher Verehrung." Ich sagte
mir wieder: "der will nur Geld." Die Behauptung, dass
seine neue Zeitung "grossen Anklang finde", entsprach
der Wahrheit nicht. Ich sollte damit gekoedert werden.
Man darf den Besuch solcher Leute nicht abweisen, zumal
wenn sie mit einer wenn auch noch so kleinen Zeitung
bewaffnet sind, sonst raechen sie sich. Ich schrieb ihm also,
dass er kommen duerfe, und er antwortete am 28. April:

"Vielen Dank fuer Ihr liebenswuerdiges Schreiben.
Ihrer freundlichen Einladung leiste ich natuerlich gern
Folge. Falls Sie mir nicht eine andere Zeit angeben,
komme ich am Montag, den 2. Mai 3 Uhr zu Ihnen
(Abfahrt 3,31).

_Mit_grosser_Hochachtung_und_Verehrung_
Rudolf Lebius."

Er kam. Doch durfte er mich nicht interviewen.
Ich duldete das nicht. Er wurde von meiner Frau, die
ihn empfing, nur unter den Bedingung zu mir gelassen,
dass absolut nichts veroeffentlicht werde. Er gab erst ihr
und dann auch mir sein Wort darauf. Er blieb zum
Kaffee, und er blieb bis nach dem Abendessen. Er sprach
sehr viel; er sprach fast immerfort. Ich war absichtlich
schweigsam. Ich sagte nur, was unbedingt noetig war.
Ich traute ihm nicht und hatte, um spaeter einen Schutzzeugen
zu haben, zugleich mit ihm den Militaerschriftsteller
und Redakteur Max Dittrich eingeladen, der an meiner
Stelle die Unterhaltung leitete.

Lebius trank viel Wein, waehrend ich nur nippte.
Er wurde um so lebhafter, je ruhiger und waegsamer ich
blieb. Er gab sich alle Muehe, mich und meine Frau
davon zu ueberzeugen, dass er "ein ganzer Kerl" sei. So
lautete sein Lieblingsausdruck, den er oft gebrauchte. Er
sprach unablaessig von seinen Grundsaetzen, seinen Ansichten,
seinen Plaenen, von seiner grossen Geschicklichkeit, seinen
reichen Erfahrungen und seinen ausgezeichneten Erfolgen
als Journalist und Redakteur, Herausgeber und Verleger,
Herdenfuehrer und Volkstribun.

Der Versuch dieses Mannes, uns zu imponieren,
geschah in einer Weise eines ganz gewoehnlichen, unvorsichtigen
Menschen, der so von seinen eigenen Vorzuegen ueberzeugt
ist, dass er gar nicht daran denkt, andere koennten darueber
lachen. Als er sah, dass nichts bei mir verfing, wurden
seine Anstrengungen krampfhafter. Ich musste von seiner
Vortrefflichkeit ueberzeugt werden, um jeden Preis! Denn
er brauchte Geld, viel Geld! Und die Hoffnung, die er
auf mich gesetzt hatte, schien seine letzte zu sein! Darum
offenbarte er uns in seiner Geldangst seine verborgensten
Geschaefts- und Lebensgrundsaetze. Er glaubte infolge des
vielen Weines, uns dadurch zu gewinnen, stiess uns dadurch
aber um so sicherer ab. Da ich mich hier kurz zu fassen
habe, gebe ich von diesen seinen Grundsaetzen nur die drei
wichtigsten wieder. Naemlich:

1. Wir Redakteure und Journalisten haben gewoehnlich
kein Geld. Darum duerfen wir uns auch keine eigene
Meinung gestatten. Wir wollen leben. Darum
verkaufen wir uns. _Wer_am_meisten_zahlt,_
_der_hat_uns!

2. Jeder Mensch hat dunkle Punkte in seinem Charakter
und in seinem Leben. _Auch_jeder_Arbeitgeber,_
_jeder_Beamte,_jeder_Polizist,_jeder_
_Richter_oder_Staatsanwalt_hat_solches_Werg_
_an_seinem_Rocken._ Das muss man klug und
heimlich zu erfahren suchen. Keine Muehe darf dabei
verdriessen. Und ist es erforscht, so hat man
gewonnenes Spiel. Man bringt in seinem Blatte
eine Bemerkung, die dem Betreffenden sagt, dass
man alles weiss, doch so, dass er nicht verklagen
kann. Dann hat man ihn in der Hand und kann
mit ihm machen, was man will. Er gibt klein
bei. In dieser Weise habe ich meinen Lesern schon
ausserordentlich viel genuetzt!

3. Die Menschen zerfallen in sozialer Beziehung in
Schafe und Boecke, in Herren und Knechte, in
Gebietende und Gehorchende. Wer aufhoeren will,
Herdenmensch zu sein, _der_hat_das_
_Herdengewissen_bei_Seite_zu_legen._ Wenn er das
tut, dann laufen alle, die dieses Gewissen noch mit
sich schleppen, hinter ihm her. Es ist ganz gleich,
zu welcher Herde er gehoeren will. Er kann von
einer zur anderen uebertreten, kann wechseln. Das
schadet ihm nichts. Nur hat er dafuer zu sorgen,
dass es mit der noetigen Waerme und Ueberzeugung
geschieht, denn das begeistert. Laufen ihm die
Sozialdemokraten nicht nach, so laufen ihm die Anderen
nach!

Als wir drei diese erstaunlichen Belehrungen hoerten,
brauste Max Dittrich einige Male zornig auf; meine Frau
war still vor Erstaunen; ich aber ging hinaus, um den
Ekel zu verwinden! Lebius bekam infolge dessen weder
Geld noch sonst etwas von mir. Da sah er ein, dass
diese beispiellose Selbstentlarvung nicht nur ganz umsonst
gewesen sei, sondern dass er sich durch sie in unsere Haende
geliefert hatte. Wir drei waren nun die gefaehrlichsten
Menschen, die es fuer ihn gab. _Er_durfte_uns_nie_
_vor_Gericht_zu_Worte_kommen_lassen,_ sondern musste
alles tun, _uns_als_unglaubhafte,_eidesunwuerdige_
_Personen_hinzustellen._ Ich lege grossen Wert darauf,
dies ganz besonders zu betonen, denn
| es ist der einzig richtige Schluessel zu seinem |
| ganzen spaeteren Verhalten, welches man |
| ohne diesen Schluessel wohl kaum begreifen |
| koennte, weil der Hass dieses Mannes gegen |
| uns drei fast unmenschlich erscheint. |

Noch ehe er sich an diesem Abend mit Max Dittrich
entfernte, beklagte ich mich absichtlich ueber die vielen
Zuschriften, in denen man mich, den gar nicht reichen Mann,
mit Bitten um Geld ueberschuettet, und tat dies in einer
Weise, die jeden gebildeten, ehrenhaften Mann abhalten
musste, mir mit aehnlichen Wuenschen zu kommen. Schon
gleich am naechsten Tag schrieb er mir folgenden Brief:

"Dresden-A., den 3. 5. 04.

Sehr geehrter Herr Doktor!

Indem ich Ihnen herzlich fuer den freundlichen
Empfang und die erwiesene Gastfreundschaft danke,
bitte ich Sie, wenn Sie die Kunstausstellung besuchen
oder sonst einmal nach Dresden kommen, bei uns zu
Mittag essen oder den Kaffee einnehmen zu wollen.

In einem Punkte muss ich unser gestriges Abkommen
widerrufen. Ihre unentgeltliche Mitarbeit kann
ich nicht annehmen. Wir zahlen zehn Pfennig fuer die
Zeile, was wohl derselbe Preis sein wird, den Sie
von anderen Blaettern erhalten haben.

Was Sie mir gestern erzaehlt haben, habe ich heute
noch einmal ueberdacht. Es will mir scheinen, als ob
trotz des kolossalen Absatzes Ihrer Werke der Umsatz
noch erheblich gesteigert werden koennte. Meine
Buchhaendler- und Verlagserfahrungen haben mich gelehrt,
dass der Wert einer richtig geleiteten Propaganda
und direkten Reklame gar nicht ueberschaetzt werden kann.

Meine Frau und ich empfehlen sich Ihrer werten
Frau Gemahlin und Ihnen in _Verehrung_ und
_Dankbarkeit_ ergebenst

Rudolf Lebius."

Ich mache darauf aufmerksam, dass er mich "Doktor"
titulierte, obgleich ich ihm waehrend seines Besuches bedeutet
hatte, und zwar wiederholt, hiervon abzusehen. Er tat
dies aber nicht, denn dieser Doktor sollte ihm ja als
Waffe gegen mich dienen!

Um diese Zeit schrieb Max Dittrich eine Broschuere
ueber mich und meine Werke. Er war so unvorsichtig,
das Manuskript Lebius zu zeigen. Dieser kam sofort
nach Radebeul geeilt, um mich zu bitten, mich bei Dittrich
dafuer zu verwenden, dass dieser ihm, Herrn Lebius, das
Werk in Verlag gebe. Er wurde ganz selbstverstaendlich
mit dieser Bitte abgewiesen, und ich schrieb Herrn Max
Dittrich, dass ich niemals wieder mit ihm verkehren wuerde,
wenn es ihm einfalle, diesem Manne die Broschuere zu
ueberlassen.

Dieser zweite Besuch des Herrn Lebius dauerte hoechstens
zehn Minuten lang. Als er fort war, fehlte mir eine
Photographie, die er mir entwendet hatte. Er durfte
nie wiederkommen. Trotzdem hat er wiederholt behauptet,
in meinem Hause vielfach verkehrt zu sein und mich sehr
genau studiert zu haben.

Am folgenden Tage schrieb er mir:

"Dresden-A., 12. 7. 04.
Fuerstenstrasse 34.

Sehr geehrter Herr Doktor!

_Ich_moechte_sehr_gern_die_Dittrichsche_
_Broschuere_verlegen_und_wuerde_mir_auch_die_groesste_
_Muehe_geben,_sie_zu_vertreiben._ Durch den Ruecktritt
von der "Sachsenstimme" -- offiziell scheide ich
erst am 1. Oktober d. J. aus -- bin ich aber etwas
kapitalschwach geworden.

_Wuerden_Sie_mir_vielleicht_ein_auf_drei_
_Jahre_laufendes,_5prozentiges_Darlehen_ gewaehren?
Ich zahle Ihnen die Schuld vielleicht schon
in einem Jahre zurueck.

| Als Dank dafuer wuerde ich die Broschuere |
| so lancieren, dass alle Welt von dem Buche |
| spricht. Ich habe ja auf diesem Gebiete |
| besonders grosse Erfahrung. |

Meine Zeitung kommt zu Stande und zwar auf
ganz solider Basis. Nun heisst es arbeiten und zeigen,
_dass_man_ein_ganzer_Kerl_ist_ usw. usw. Beste
Empfehlung an Ihre Frau Gemahlin

Ihr Ihnen ergebener
Rudolf Lebius."

Ich antwortete nicht. Ich war der Ansicht, dass
jemand, der Ehre besitzt, auf ein solches Schweigen nicht
weitergehen koenne, zumal ich Herrn Lebius _mit_der_
_Broschuere_total_abgewiesen_hatte._ Aber am 8. August
schrieb er trotzdem wieder:

"Die "Sachsenstimme" ist am 4. d. zu vorteilhaften
Bedingungen an mich allein uebergegangen. Ich kann
jetzt schalten und walten, wie ich will. Um mich von
dem Drucker etwas unabhaengig zu machen, _wuerde_
_ich_gern_einige_tausend_Mark_(3--6)_auf_ein_
_halbes_Jahr_als_Darlehen_aufnehmen._ Ein
Risiko ist ausgeschlossen. Hinter mir stehen die juedischen
Interessentenfirmen, die mich, wie die letzte Saison
bewiesen hat, in weitgehendem Masse unterstuetzten. Das
Weihnachtsgeschaeft bringt wieder alles ein. _Wuerden_
_Sie_mir_das_Darlehen_gewaehren?__Zu_Gegenleistungen_
_bin_ich_gern_bereit._ Die grosse Zahl
von akademischen Mitarbeitern erhebt mein Blatt ueber
die Mehrzahl der saechsischen Zeitungen. Wir koennen
ausserdem die Artikel, auf die Sie Wert legen, an 300
oder mehr deutsche und oesterreichische Zeitungen versenden
und den betreffenden Artikel blau anstreichen. So etwas
wirkt unfehlbar. In Dresden lasse ich mein Blatt
allen Wirtschaften (1760) zugehen. Mit vorzueglicher
Hochachtung Rudolf Lebius."

Zu derselben Zeit erfuhr ich, dass Lebius gar nichts
besass, sondern den Offenbarungseid geleistet hatte, dass
er den Drucker seines Blattes nicht bezahle, dass er
ueberhaupt nur Schulden habe und dass er sogar Honorar
schuldig bleibe. Dass seine Zeitung eine solide Basis habe,
war unwahr, ebenso die "grosse Zahl der akademischen
Mitarbeiter" und Anderes. Dergleichen absichtliche
Taeuschungen gehoeren eigentlich vor den Staatsanwalt.
Ich mache auf seine Ueber- und Unterschriften aufmerksam:
"Sehr geehrter Herr . . . . Mit vorzueglicher
Verehrung!" "Mit grosser Hochachtung und Verehrung!"
"Sehr geehrter Herr Doktor . . . . In Verehrung
und Dankbarkeit." Als er sah, dass diese Hoeflichkeiten
nicht zogen, schrieb er nicht mehr an mich, sondern
an Dittrich. So am 15. August 1904:

"Werter Herr Dittrich!

Ich gebe Ihnen fuer die Vermittlung ein Prozent.
_Mehr_als_10_000_Mk._brauche_ich_nicht._ Ich
wuerde aber auch mit weniger vorlieb nehmen. Das
Honorar sende ich am 20. d. wie verabredet.

Koennen Sie nicht Dr. May _b_e_a_r_b_e_i_t_e_n,_ dass
er mir Geld vorschiesst?

Freundlichen Gruss R. Lebius."

Dann am 27. August:

"Werter Herr Dittrich!

Meine Frau kommt am 1. September zu Herrn
Dr. Klenke, einen kleinen Betrag zu kassieren. Bei
dieser Gelegenheit gibt sie Ihnen Ihr Honorar. Sie
haben meine schriftliche Zusage, dass ich Ihnen 1 Prozent
von dem Gelde gebe, welches Sie mir von H. V.
oder Dr. M. (May) vermitteln. Sie erhalten das
Geld sofort . . . .

Freundlichen Gruss Lebius."

Er war naemlich Herrn Max Dittrich ein Honorar
von 37 Mark 45 Pfennigen schuldig, welches er trotz
der Kleinheit dieses Betrages nicht bezahlen konnte. Es
wurde ihm daraufhin ein Spiegel gerichtlich abgepfaendet.
Als er von Dittrich, anstatt der 10 000 Mark von mir,
eine Mahnung um diese 37 Mark 45 Pfennig bekam,
schrieb er ihm am 3. September:

"Geehrter Herr Dittrich!

Ich habe Herrn Dr. med. Klenke ersucht, Ihnen
40 Mk. zu meinen Lasten gutzuschreiben. Ihr Verhalten
mir gegenueber finde ich hoechst sonderbar, um
nicht zu sagen beleidigend.

Achtungsvoll
R. Lebius."

Diesem Dr. Klenke fiel es aber auch nicht ein, die
Schulden des Herrn Lebius zu bezahlen, und so kam in
logischer Folgerichtigkeit am 7. September in Form einer
Postkarte folgende Drohung bei mir an:

"Werter Herr!

Ein gewisser Herr Lebius, Redakteur der "Sachsenstimme",
erzaehlte einem Herrn, dass er einen Artikel
gegen Sie schreibt. Ich habe es im Lokal gerade
gehoert. Es warnt Sie ein Freund vor dem Manne.

B."

Ueber den Verfasser und den Zweck dieser Karte
war ich mir natuerlich sofort im Klaren. Auch das
Gutachten der _vereideten_Sachverstaendigen_ lautet dahin,
_dass_sie_unbedingt_von_Lebius_selbst_geschrieben_
_ist._ Jedenfalls erwartete er ganz bestimmt, dass ich auf
diese Erpressung hin die 10 000 Mark zahlen werde.
Gab ich sie nicht, so waren mir nicht nur der jetzt
angedrohte, sondern noch weitere Racheartikel sicher und
auch noch anderes dazu, was mich in Besorgnis setzen
musste. Aber ich liess auch jetzt nichts von mir hoeren
und sah mit gutem Gewissen dem unvermeidlichen Artikel
entgegen, der am 11. September 1904 in Nummer 33
des Lebiusschen Blattes, der "Sachsenstimme" erschien
und die dreifache Ueberschrift hatte:

| "Mehr Licht ueber Karl May |
| 160 000 Mark Schriftstellereinkommen |
| Ein beruehmter Dresdner Kolportageschriftsteller." |

Dieser Mann hatte meiner Frau und mir sein Wort
gegeben, nichts zu veroeffentlichen. Er war sogar nur
unter diesem Versprechen bei uns hereingelassen worden,
und nun veroeffentlichte er doch, und zwar in welcher
Weise und aus welchen Gruenden! Er stellte alles auf
den Kopf; er drehte alles um! Er legte uns alles, was
ihm beliebte, in den Mund, und was wir wirklich gesagt
hatten, das verschwieg er, um sich nicht zu blamieren.
Dieser Aufsatz enthaelt ueber 70 moralische Unsauberkeiten,
Verdrehungen und direkte Unwahrheiten. Aber das war
nur der Anfang; die Fortsetzungen folgten baldigst nach.
Dieser Artikel in Nr. 33 der "Sachsenstimme" war so
gehalten, dass Lebius wieder umlenken konnte, falls ich
das Geld nun endlich noch gab. Und schon in Nr. 34
kam ein sehr deutlicher Wink, der mir sagte, was
geschehen werde, falls ich mich nicht zum Zahlen bewegen
lasse. Dieser Wink bestand in einer Muenchmeyerschen
Annonce, die ganze Baende zu mir sprach. Der Besitzer
der Firma Muenchmeyer hatte naemlich zu mir gesagt:
"Die Veroeffentlichung der andern Romane tut Ihnen
noch gar nicht viel; aber sobald ich mit dem "Verlorenen
Sohn" fertig bin und ihn annonciere, sind Sie verloren!
Der wird so happig, dass es Ihnen dann unmoeglich ist,
als Schriftsteller weiter zu existieren!" Und dieser
"Verlorene Sohn" wurde jetzt in Nr. 34 der "Sachsenstimme"
annonciert. Das war genau so, als ob mir mit
Riesenbuchstaben geschrieben worden waere: "Nun aber endlich
Geld her, sonst geht es in diesem Tone weiter!" Der
gefaehrlichste Erpresser ist der, welcher es in dieser
raffinierten Weise anfaengt, die noch deutlicher ist, als das
gesprochene Wort, aber von keinem Staatsanwalt verfolgt
werden kann. Ich gab aber trotzdem nichts. Da
kam in Nr. 44 ein zweites Elaborat, in Nr. 46 ein
drittes und in Nr. 47 ein viertes. In Nr. 46 wurde
mir die Verbindung des Herrn Lebius mit der Firma
Muenchmeyer schon deutlicher gezeigt, denn es wurde da
gesagt, der Inhaber dieser Firma habe einen ganzen
Haufen alter Briefe von mir in der Hand und koenne
also ganz genaue Auskunft ueber mich geben, wenn er
nur wolle. In Wahrheit aber besass er nicht einen
einzigen alten Brief von mir, doch wusste ich nun genau,
dass Lebius die Ausfuehrung des Muenchmeyerschen Programms,
mich durch meine Vorstrafen "in den Zeitungen
vor ganz Deutschland kaput zu machen", uebernommen
hatte. Ich war ueberzeugt, dass die Zahlung der 10 000
Mark ihn sofort zum Schweigen bringen wuerde, haette
mich aber vor mir selbst geschaemt, ihm auch nur einen
einzigen Pfennig zu geben.

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