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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
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PHILADELPHIA, Pa. -- The Philadelphia literary world will celebrate the launch of two new players today, April 10th: Kay Square Press, a new publishing company focused on Philadelphia-area artists, their stories, and their art; and Kay Square's first release, 'With the Rich and Mighty: Emlen Etting of Philadelphia' (ISBN: 978-0-9815129-0-7), a critical biography by Kenneth C. Kaleta.

FlatSigned Press Alleges Don Imus Remarks Damage Legacy of President Gerald R. Ford
NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).


Books: Mein Leben und Streben

K >> Karl May >> Mein Leben und Streben

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Ich hoffe, dieses Beispiel, welches ich gleich meinem
ersten Bande entnehme, sagt deutlich, was ich will und
wie man meine Buecher lesen muss, um ihren wirklichen
Inhalt kennen zu lernen. Ein zweites Beispiel mag
folgen: Kara Ben Nemsi befindet sich bei dem persischen
Stamme der Dschamikun. Dieser Stamm soll von dem
Volke der Sillan vernichtet werden. Da schickt der
Ustad, der Oberste der Dschamikun, einen Boten zum
Schah, um ihn um Hilfe zu bitten. Dieser Bote hat
aber den Schah noch nicht erreicht, so kommen ihm schon
die Heerscharen desselben entgegen, die ihm sagen, dass
sie vom Schah gesandt worden seien, den Dschamikun
Hilfe zu bringen. Der Schah hat also die Bitte des
Ustad erhoert, noch ehe sie zu ihm gelangte. Der Schah
ist aber Gott, und so interpretiere ich durch diese
Erzaehlung die christliche Liebe vom Gebete in Math. 6,8:
"Euer Vater weiss, was Ihr beduerfet, ehe Ihr ihn
bittet!" Uebrigens ist der Ustad kein Anderer als Karl
May, und die Dschamikun sind das Volk seiner Leser,
welches von den Sillan vernichtet werden soll. Ich
erzaehle also rein deutsche Begebenheiten im persischen
Gewande und mache sie dadurch fuer Freund und Feind
verstaendlich. Ist das nicht Gleichnis? Nicht bildlich?
Gewiss! Und ist es etwa mystisch? Nicht im
Allergeringsten! Es ist so offenbar Gleichnis, und so wenig
mystisch, dass mir, offengestanden, ein Jeder, der das Erstere
bestreitet und das Letztere behauptet, als ein Mensch
erscheint, der einen Namen verdient, den ich nicht nennen will.
Wer guten Willens ist und nicht mit unbedingt feindlicher
Absicht an das Lesen meiner Buecher geht, wird ohne Weiteres
finden, dass ihr Inhalt fast nur aus Gleichnissen besteht.
Und ist er einmal zu dieser Einsicht gelangt, so bleiben
ihm ganz sicher die zahlreichen Himmelsmaerchen nicht
verborgen, die in diesen Gleichnissen eingestreut liegen
und den eigentlichen, tiefsten Inhalt meiner Reiseerzaehlungen
zu bilden haben. Diese Maerchen sind es auch,
aus denen sich mein eigentliches Lebenswerk am Schlusse
meiner letzten Tage zu entwickeln hat.

Ist doch gleich meine erste Gestalt, naemlich Hadschi
Halef Omar, ein Maerchen, naemlich das Maerchen von
der verloren gegangenen Menschenseele, die niemals
wiedergefunden werden kann, ausser sie findet sich selbst.
Und dieser Hadschi ist meine eigene Anima, jawohl, die
Anima von Karl May! Indem ich alle Fehler des
Hadschi beschreibe, schildere ich meine eigenen und lege
also eine Beichte ab, wie sie so umfassend und so
aufrichtig wohl noch von keinem Schriftsteller abgelegt
worden ist. Ich darf also wohl behaupten, dass ich
gewisse Vorwuerfe, die mir von meinen Gegnern gemacht
werden, keineswegs verdiene. Wuerden diese Gegner es
einmal wagen, so offen ueber sich selbst zu sprechen wie
ich ueber mich, so wuerde das sogenannte Karl May-Problem
schon laengst in jenes Stadium getreten sein, in
welches es zu treten hat, mag man wollen oder nicht.
Denn dieses Karl-May-Problem ist auch ein Gleichnis.
Es ist nichts Anderes, als jenes grosse, allgemeine
Menschheitsproblem, an dessen Loesung schon ungezaehlte Millionen
gearbeitet haben, ohne etwas Greifbares zu erreichen.
Ganz ebenso hat man schon Jahrzehnte lang an mir
herumgearbeitet, ohne es weiter zu bringen als zu der
traurigen Karikatur, als die ich in den Gehirnen und
in den Schriften Derer lebe, die sich berufen waehnen,
Probleme zu loesen, dies aber immer nur da tun, wo
keine vorhanden sind.

Ich nenne ferner das Maerchen von "Marah Durimeh",
der Menschheitsseele, von "Schakara", der edlen,
gottgesandten Frauenseele, der ich die Gestalt meiner
jetzigen Frau gegeben habe. Das Maerchen vom "erloesten
Teufel", vom "eingemauerten Herrgott", vom
"versteinerten Gebete", von den "verkalkten Seelen",
von den "Rosensaeulen des Beit-Ullah", von dem "Sprung
in die Vergangenheit", von der "Dschemma der Lebendigen
und Toten", von der "Schlacht am Dschebel Allah",
vom "Mahalamasee", vom "Berg der Koenigsgraeber",
vom "Mir von Dschinnistan", vom "Mir von Ardistan",
von der "Stadt der Verstorbenen", vom "Dschebel Muchallis",
von der "Wasserscheide von El Hadd" und noch
viele, viele andere. Wie man bei einem geistig und
seelisch so bedeutsamen, ja schweren Inhalte meine Buecher
als "Jugendschriften" und mich als "Jugendschriftsteller"
bezeichnen kann, wuerde unbegreiflich sein, wenn man nicht
wuesste, dass Alle, die diesen Fehler begehen, sie entweder
nicht begriffen oder ueberhaupt nicht gelesen haben. Selbst
"Winnetou", der so leicht zu lesen zu sein scheint,
bedarf, wenn er sich im vierten Bande zum Schlusse neigt,
eines Nachdenkens und eines Verstaendnisses, welches doch
gewiss keinem Quartaner und keinem Backfisch zuzutrauen
ist! Wenn man trotzdem noch ferner bei den Ausdruecken
"Jugendschriften" und "Jugendschriftsteller" bleibt, so
muss ich das als einen gewollten Unfug bezeichnen, zu
dem sich kein anstaendiger, ernster Kritiker hergeben wird.

Gibt man aber ehrlich und der Wahrheit gemaess zu,
dass meine "Reiseerzaehlungen" nicht als Jugendschriften
verfasst worden sind, so ist der jetzt landlaeufig
gewordenen Behauptung, dass sie schaedlich sind, aller Boden
entzogen. Es lese sie doch nur der, dem sie nicht
schaedlich sind; ich zwinge ja keinen Andern dazu! Weshalb
und wozu die Vorwuerfe alle, die man mir jetzt in hunderten
von Zeitungen macht? Sieht man sich diese Vorwuerfe
aber genauer an, so verlieren sie allen Wert.
Frueher lobte man mich; jetzt tadelt man mich. Das ist
so Mode geworden und wird, wie jede Mode, sich wieder
in das Gegenteil verkehren. Aber diese Mode ist nicht
nur Mode, sondern Mache! Selbst wenn meine Buecher
jetzt von keinem Menschen mehr gelesen wuerden, koennte
mich das doch nicht im Geringsten beunruhigen, denn ich
weiss, dass man sehr bald hinter diese Mache kommen
und sich demgemaess verhalten wird. Ja, haette ich meinen
Lesern bloss nur Unterhaltungsfutter geliefert, so haette
ich von der Bildflaeche zu verschwinden, um nie wieder
aufzutauchen, und wuerde ganz von selbst so verstaendig
sein, mich darein zu ergeben. Aber _ich_habe_waehrend_
_meines_"Lebens_und Strebens"_allzu_viele_und_
_allzu_grosse_Fehler_begangen,_als_dass_ich_so_
_mir_nichts,_dir_nichts_untergehen_und_fuer_immer_
_verschwinden_duerfte.__Ich_habe_gutzumachen!_
Was der Sterbliche suendigt, das hat er zu buessen und zu
suehnen, und wohl ihm, wenn ihm die Guete des Himmels
erlaubt, seine Schuld nicht mit ueber den Tod hinueberzunehmen,
sondern sie schon hier zu bezahlen. Das will
ich tun; das darf ich tun, und das werde ich tun! Ja,
ich behaupte kuehn: das habe ich schon getan! Dem
irdischen Gesetze habe ich schon laengst Alles gegeben, was
es von mir zu fordern hatte; ich bin ihm nichts mehr
schuldig. Und was ueber diese von Menschen gestellten
Paragraphen hinausgeht, das werde ich begleichen, indem
ich das, was ich noch schreiben werde, dem grossen
Glaeubiger widme, der ganz genau weiss, ob ich ihm mehr
als jene Andern schuldig bin, die sich besser duenken
als May.

Ich bin ueberzeugt, dass meine Suenden, so weit sie
mir anzurechnen sind, nur auf persoenlichem, nicht aber
auf literarischem Gebiete liegen; auf letzterem bin ich
mir keiner Missetaten bewusst. Was ich mit meinen
"Reiseerzaehlungen" erreicht habe, wird erst nach meinem
Tode durch tausende von Zuschriften bekannt werden,
die aber selbst dann noch nur mein Biograph zu sehen
bekommt; veroeffentlicht werden sie nicht. Man pries
diese Werke und schwaermte fuer sie, bis es eines Tages
einem gewissenlosen Menschen einfiel, oeffentlich zu
behaupten, dass ich ausser ihnen auch noch andere, aber
"abgrundtief" unsittliche Sachen geschrieben habe. Selbst
wenn dies wahr gewesen waere, haette das die "Reiseerzaehlungen"
weder innerlich noch aeusserlich im Geringsten
veraendern koennen. Dennoch wurden sie von jenem Tage
an zunaechst mit Misstrauen betrachtet, dann mehr und
mehr verleumdet und endlich gar fuer direkt schaedlich
erklaert und aus den Bibliotheken gestossen, in denen sie
frueher willkommen geheissen worden waren. Warum?
Waren sie anders geworden? Nein! Hatten sich die
bibliographischen Gepflogenheiten, die ethischen Gesetze
veraendert? Nein! Waren die Beduerfnisse der Leser
andere geworden? Auch nicht! Aber aus welchem Grunde
denn sonst? Einfach einer Schund- und Kolportageklique
wegen, die sich vorgenommen hatte, mich, wie sie
sich selbst auszudruecken pflegte, "kaput zu machen". Aber
ist es denn menschenmoeglich, dass eine derartige Klique
einen so grossen, unbegreiflichen Einfluss auf Literatur
und Kritik zu gewinnen vermag? Leider ja! Ich habe
im naechsten Kapitel hiervon zu erzaehlen. Diese Rotte
scheut sich nicht, ihre eigenen Suenden und literarischen
Verbrechen auf mich zu werfen und sich als rein zu
gebaerden! Es gibt sogenannte Kritiker, welche mich wegen
meiner Muenchmeyer-Romane nun schon zehn Jahre lang
mit allen moeglichen Schmaehungen besudelt, dem Verlage
aber noch nicht einen einzigen, auch nicht den leisesten
Vorwurf gemacht haben. Ich bezeichne das als eine
Schande!

Man sagt, dass unsere Schundverleger jaehrlich fuenfzig
Millionen Mark aus dem deutschen Volke ziehen. Das
ist fuerchterlich, aber noch viel zu niedrig geschaetzt. Ein
einzelner Schundroman, der ein sogenannter Schlager ist,
kann dem Volke mehr als fuenf und sechs Millionen kosten,
und es gibt Kataloge, in denen z. B. die eine Firma
Muenchmeyer achtundfuenfzig -- man lese und staune --
achtundfuenfzig solcher Romane zu gleicher Zeit anpreist!
Man rechne; man multipliziere! Welche Verluste! Welch
eine ungeheure Summe von Gift und Unheil! Wie viel
hunderte, ja tausende von Menschen arbeiten daran,
dieses Gift zu erzeugen und zu verbreiten! Und nun
schlage man in den Zeitungen, in den Journalen, in den
Buechern nach, wen man fuer das Alles verantwortlich
macht, wen man an den Pranger stellt, wen man verachtet,
verspottet und verhoehnt! Karl May, Karl May,
immer wieder Karl May und nur und nur Karl May!
Wo sieht und liest man jemals einen andern Namen,
als nur diesen einen? Was habe ich denn getan, dass
man mich ueberhaupt zum Schunde zaehlt? Wo stecken die
zweitausend wirklichen Schundschriftsteller, welche jahraus,
jahrein rastlos dafuer sorgen, dass in Deutschland und
Deutschoesterreich der Schund kein Ende nimmt? Vor Gericht,
in "wissenschaftlichen" Werken, bei Kommissionssitzungen,
in oeffentlichen Vortraegen, von Schriftstellern,
Redakteuren, Lehrern, Pfarrern, Professoren, Kuenstlern,
Psychiatern, bei allen passenden und unpassenden
Gelegenheiten, wo von "Jugendverderbnis" die Rede ist,
da bringt man Karl May, Karl May! Er ist schuld,
nur er! Er ist der Typus der Jugendvergifter! Er ist
der Vater aller ruchlosen Kapitaen Thuermers, Nick Carters
und Buffalo Bills! Mein Gott, wissen diese Herren
denn wirklich nicht, was sie tun? Wie sie sich
versuendigen? Wie man im Kreise derer, die es besser wissen,
von ihnen spricht? Man nenne mir nur einen einzigen
Fall, wo vor Gericht wirklich nachgewiesen worden ist,
dass Jemand durch eines meiner Buecher verdorben worden
ist! Hunderte von Schundgeschichten der verderblichsten
Art hat so ein Bube gelesen, dabei auch einen
Band oder einige Baende von Karl May. Den kennt
man, die Andern aber nicht; darum muss er es sein,
dessen Namen man nennt und den man als Taeter bezeichnet!
Allwoechentlich werden mir von Zeitungsbureaus
fuenfzig, sechzig und siebzig Zeitungsausschnitte geschickt,
auf denen ich an Stelle der saemtlichen deutschen
Schundschriftsteller und Schundverleger hingerichtet werde. Das
ist unmenschlich! Ich werde mit Schande ueberhaeuft und
vor den wirklich Schuldigen zieht man den Hut. Warum
nennt man ihre Namen nicht? Warum nagelt man sie
nicht fest? Es gibt hunderte von Verlegern und Literaten,
die wegen Verbreitung von unzuechtigen Schriften
bestraft worden sind. Und noch groesser ist die Zahl
derer, die in voller Absicht Jugendschund herausgeben,
nur um Geld zu machen. Warum nennt man sie nicht?
Warum macht man sich zu ihrem Mitschuldigen, indem
man ihre Verbrechen an der Jugend und an dem Volke
duldet? Warum wirft man sich nicht auf sie, sondern
nur auf mich, den Suendenbock fuer den ganzen literarischen
Mob? Sehr einfach: Es ist Mache, nichts als Mache!
Und es kann nichts Anderes als Mache sein, weil so
viel, wie man auf mich wirft, kein Einzelner zu begehen
vermag! Ich habe das im naechsten Kapitel des Naeheren
zu beleuchten.

Die Anschuldigungen, welche man gegen mich erhebt,
sind bisher immer nur Behauptungen gewesen. Zu
keiner von ihnen wurde ein wirklicher Beweis erbracht.
Ich habe infolge dieser Anschuldigungen Ungezaehlte meiner
Leser brieflich oder muendlich gefragt, ob es ihnen moeglich
ist, mir eine der Reiseerzaehlungen oder eine Stelle
aus ihnen zu nennen, von der man behaupten darf, dass
sie schaedlich wirke. Es hat mir Niemand auch nur eine
einzige derartige Zeile nennen koennen. Ist doch sogar
meine unerbittlichste Gegnerin, die "Koelnische Volkszeitung",
gezwungen gewesen, mir das Attest auszustellen:
"Alles fuer die Jugend Anstoessige _ist_sorgfaeltig_
_vermieden,_ obgleich Mays Werke _nicht_etwa_bloss_fuer_
_diese_ bestimmt sind; _viele_tausend_Erwachsene_ haben
aus diesen bunten Bildern schon Erholung und Belehrung
im reichsten Masse geschoepft!" Schon aus diesem
Atteste geht die jetzige "Mache" hervor, denn meine
Buecher sind seit jener Zeit genau dieselben geblieben,
und derselbe Herr, der dieses oeffentliche Zeugnis aus
stellte [sic], war der Erste, der dieser Mache erlag und hat
sich seitdem nicht wieder aufrichten koennen.

Zur Zurueckweisung der Vorwuerfe, die man gegen
mich erhebt, sehe ich mich gezwungen, durch Veroeffentlichung
des nachfolgenden Briefes vielleicht eine Indiskretion
zu begehen, die mir der von mir hoch und aufrichtig
verehrte Herr aber wohl verzeihen wird. Doktor
Peter Rosegger schrieb mir am 2. Juli dieses Jahres
aus Krieglach:

"Sehr geehrter Herr!

Meine Notiz im Heimgarten basiert auf der
Charlottenburger Gerichtsverhandlung, und sobald wieder
das Gericht, und zwar zu Ihren Gunsten, entscheidet,
werde ich mit groesster Freude davon Notiz nehmen.

Als Kollege geht mir Ihr Fall ja nahe, und als
solcher moechte ich mir auch erlauben, Ihnen meine
Meinung zu sagen darauf hin, in welcher Weise Sie
sich am besten rechtfertigen koennten.

Ich wuerde an Ihrer Statt in der Polemik alles
ausschalten, was sich nicht sachlich auf die
Anschuldigungen bezieht. Das, was Sie aus Ihrer
Jugendzeit selbst eingestanden haben, ist damit wohl auch
abgetan und wuerde Ihnen kaum ein rechtlich denkender
Mensch noch nachtragen, wenn es nicht das Gericht
tut. Dass Sie Ihre Reiseschilderungen nicht persoenlich
erlebt haben, dass es nur Erzaehlungen in "Ichform"
sind, kann Ihnen auch kein Literat veruebeln.
So bleibt nur uebrig, endlich die sachlichen Beweise zu
erbringen, dass die beruehrten obszoenen Stellen nicht
Sie, sondern der Verleger hineinkorrigiert hat. Was
die Ihnen vorgeworfenen Plagiate betrifft, so muessen
doch Sachverstaendige entscheiden koennen, inwiefern es
Plagiate waeren oder inwiefern bloss umgearbeitete Stoffe
und Gedanken. Zuhanden der ersten Auflagen, dieselben
mit den neuen Auflagen verglichen, muesste doch
klar zu stellen sein, ob die Art, der Gedankengang und
der Stil der neu eingefuegten Saetze sich organisch an
Ihre Art und an das Buch anschliessen oder nicht.
Auf solche Wirklichkeiten, meine ich, sollten Sie nun
Ihre ganze Abwehr konzentrieren und ununterbrochen
draengen, dass die Dinge endlich vor Gericht zur
Entscheidung kommen. Alle andern Artikel Ihrer Freunde,
die nur so im Allgemeinen herumreden ueber die Vorzuege
Ihrer Werke, die ja anerkannt sind, koennen fuer
die peinliche Angelegenheit an sich keine besondere
Wirkung erzielen.

Also alle Mittel in Bewegung setzen, um zu einer
gerichtlichen Genugtuung zu kommen. Gelingt das
nicht, so ist absolutes Schweigen das Beste, und
gelingt es, so muss doch auch die Presse Ihrer jetzigen
Gegner die gerichtliche Ehrenrettung anerkennen und
in das Volk tragen.

Krankheit hat diesen Brief verspaetet. Verzeihen
Sie diese Offenheit, die aufrichtigem Wohlwollen
entspringt, und seien Sie gegruesst

von Ihrem ergebenen

P e t e r R o s e g g e r."

Krieglach, 2. 7. 1910.

Dass Peter Rosegger, der hochstehende, feinfuehlende
und human denkende geistige Aristokrat, das, was er
ueber meine Jugendzeit sagt, als abgeschlossen und abgetan
betrachtet, versteht sich ganz von selbst. In derartigen
Bodensaetzen und Rueckstaenden koennen nur niedrige
Menschen waten. Hierdurch habe ja auch ich selbst schon
laengst meinen Strich gemacht und habe einen Jeden,
der sich mit mir beschaeftigt, nach dem Masse zu beurteilen,
welches mir hier in Roseggers Brief gegeben wird.
Wer nicht verzeiht, dem wird auch nicht verziehen; das ist
im Himmel und auf Erden Recht.

Was die "Obszoenitaeten" und den Nachweis betrifft,
dass sie nicht von mir stammen, so habe ich diesen Gegenstand
im naechsten Kapitel zu behandeln, doch sei hier eine
mir notwendig erscheinende Bemerkung vorausgeschickt.
Naemlich nicht ich habe zu beweisen, dass diese unsittlichen
Stellen nicht von mir stammen, sondern man hat mir zu
beweisen, dass ich ihr Verfasser bin. Das ist so
selbstverstaendlich wie richtig. Es wird keinem jetzigen Richter
einfallen, mich in die Zeit der Daumenschrauben und der
spanischen Jungfrau zurueckzuschleppen, in welcher der
Anklaeger keinen Beweis zu erbringen hatte, wohl aber der
Angeschuldigte gezwungen war, nachzuweisen, dass er
unschuldig sei. Das konnte nicht anders als in den meisten
Faellen unmoeglich sein. Man hat mich aus prozessualen
Gruenden faelschlicher Weise beschuldigt, fuer Muenchmeyer
das "Buch der Liebe" geschrieben zu haben. Wie kann
ich beweisen, dass dies unwahr ist? Gesetzt den Fall, es
waere dem Muenchmeyerschen Rechtsanwalt der wahnsinnige
Gedanke gekommen, vor Gericht zu behaupten,
dass Peter Rosegger den beruechtigten "Venustempel"
geschrieben habe. Wuerde Rosegger den Beweis antreten,
dass dies eine Luege sei? Oder wuerde er sagen, dass man
die Wahrheit dieser Behauptung ihm zu beweisen habe?
Ich bin ueberzeugt, das Letztere. Und so thue [sic] auch ich.
Ich verlange die Vorlegung meiner Originalmanuskripte.
Einen andern Beweis kann es nicht geben.

Was nun die von Peter Rosegger erwaehnten Plagiate
betrifft, so hat es mit ihnen folgende Bewandtnis:
Der Benediktinermoench Pater Poellmann hat eine Reihe
von Artikeln gegen mich und meine Werke geschrieben
und ihnen die Drohung vorangeschickt, dass er mir mit
ihnen einen Strick drehen werde, um mich "aus dem
Tempel der deutschen Kunst hinauszupeitschen". Er hat
sich da des richtigen Bildes bedient, denn jede seiner
Behauptungen, mit denen er mich hierauf ueberschuettete, war
nichts weiter als ein Peitschenknall, spitz, scharf, hart,
lieblos und tierquaelerisch, darum die Leser empoerend und
ohne Wirkung in die Luft verklatschend. Ein leerer
Knall mit der Knabenpeitsche war es auch, als er mich
des Plagiates bezichtigte und sich erfolglose Muehe gab,
die Wahrheit seiner Behauptung zu beweisen. Er sprach
da wie ein Unwissender und konnte darum auch weiter
nichts als die wohlbekannte Wirkung der Unwissenheit
erreichen. Die "Grazer Tagespost" schreibt hierueber:

"Pater Poellmann, ein bekannter Herr, der sich unlaengst
in echt christlicher Demut selbst das schmueckende
Beiwort eines "anerkannten Kritikers" beilegte, hat die
moralische Niederlage, die er in seiner Schimpfschlacht
gegen den Reiseschriftsteller Karl May erlitt, sehr bald
vergessen, denn er nahm kuerzlich den Mund wieder
voll usw. usw."

Ich hatte naemlich in einigen meiner allerersten,
aeltesten Reiseerzaehlungen, bei deren Abfassung ich noch
nicht die noetige Erfahrung besass, die Ereignisse, die ich
schilderte, vor einem geographischen Hintergrunde spielen
lassen, den ich bekannten, Jedermann zugaenglichen Werken
entnahm. Das ist nicht nur erlaubt, sondern es geschieht
sehr haeufig. Sich Ortsbeschreibungen anzupassen, kann
niemals Diebstahl sein. Literarischer Diebstahl, also Plagiat,
liegt nur dann vor, wenn man sich wesentliche Bestandteile
eines Gedankenwerkes aneignet und diese in der
Art verwendet, dass sie dann wesentliche Bestandteile des
Werkes des Plagiators bilden und dabei als seine eigenen
Gedanken erscheinen. So Etwas habe ich aber nie getan
und werde es auch nie tun. Geographische Werke koennen,
besonders wenn sie geistiges Allgemeingut geworden sind,
ganz unbedenklich benutzt werden, sofern es sich nicht um
das Abschreiben ganzer Druckbogen oder Seitenfolgen
handelt und das Werk des Nachschriftstellers trotz des
Abschreibens eine selbstaendige geistige Arbeit bleibt. In
der Einleitung zum Voigtlaenderschen "Urheber- und
Verlagsrecht" heisst es:

"Kein Mensch schafft seine Gedankenwelt allein aus
sich selbst heraus. Er erbaut sie sich auf dem, was
Andere vor ihm oder mit ihm erdacht, gesagt, geschrieben
haben. Dann erst, im besten Falle, beginnt seine ureigene
Schoepfung. Selbst die am meisten schoepferische Taetigkeit,
die des Dichters, steht dann am hoechsten, erreicht
dann ihre groessten Erfolge, wenn sie die Weihe der
kuenstlerischen Form dem gibt, was mit dem Dichter zugleich
sein Volk denkt und fuehlt. Und nicht einmal die Form
ist ganz des Dichters Eigentum, denn die Form wird
von der gebildeten Sprache geliefert, "die fuer dich dichtet
und denkt", und die Manchem, der sich Dichter zu sein
duenkt, mehr als die Form, die ihm auch Gedanken oder
deren Schein leiht. Kurz, der Schriftsteller und Kuenstler
steht mit seinem Wissen und Koennen inmitten und auf
der Kulturarbeit von Jahrtausenden. Goethe, auf einer
einsamen Insel aufgewachsen, waere nicht Goethe
geworden. Ist aber Jemand mit Geistesgaben so begnadet,
dass er die Kulturarbeit der Menschheit um einen
Schritt hat weiter bringen koennen, weil er an das von
den Vorfahren Geleistete anknuepfen durfte, dann ist es
nicht mehr als billig, _dass_sein_Werk_zur_gegebenen_
_Zeit_wieder_Andern_zu_zwangslosem_Gebrauche_
_diene,_nicht_nur_der_Inhalt,_sondern_auch_die_
_Form."_

So sagt der Herausgeber des Gesetzbuches, und ihm
ist nicht zu widerstreiten. Ich, der ich nicht einmal
begangen habe, was er hier gestattet, bin also vollstaendig
gerechtfertigt. Ein anderer schreibt: "Alles ist mehr oder
weniger Plagiat an errungener Kultur-, Geistes- oder
Phantasieproduktion. Der Intellektadel, die obern Traeger
der Bildung und Kultur schoepfen ja doch alle mehr oder
minder aus _einem_ Reservoir, welches von den Leistungen
Anderer, Frueherer, Groesserer gespeist worden ist."

In Nr. 268 der "Feder", der Halbmonatsschrift fuer
Schriftsteller und Journalisten, steht geschrieben: "Aus
den Fingern kann sich der popularwissenschaftliche [sic]
Schriftsteller nun einmal nichts saugen, und bis zu einem
gewissen Grade muss deshalb auch Jeder ein Plagiator
sein. Wenn das eigentliche Gedankengebaeude neu ist,
dann ist man wohl berechtigt, passende Zierformen von
schon Bestehendem zu gebrauchen. Nach Emmerson ist
_der_groesste_Genius_zugleich_auch_der_groesste_
_Entlehner._ Es kommt da ganz auf das Wie an. _Man_
_darf_das_Gute_nehmen,_wo_man_es_findet,_ wenn
man einen grossen Zweck damit erreichen will; aber man
darf es sich nicht merken lassen; man muss mit dem
Entlehnten etwas wirklich Neues hervorbringen."

Es ist bekannt, dass Maeterlinck in einem seiner
Schauspiele drei Szenen von Paul Heyse rein abgeschrieben
hat. Heyse verbat sich das; Maeterlinck aber lachte ihn
aus und liess das Stueck ruhig unter seinem Namen
erscheinen. Ebenso bekannt ist, dass das populaere Lied
aus dem Freischuetz: "Wir winden dir den Jungfernkranz"
nicht von Weber, sondern von einem fast ganz
unbekannten Gothaer Musikdirektor ist. Weber hoerte es
und nahm es in seinen Freischuetz auf, ohne sich etwas
aus der Gefahr zu machen, als Plagiator und Dieb
bezeichnet zu werden. Shakespeare war bekanntlich der
groesste literarische Entwender, den wir kennen. Wenn
es nach Pater Poellmannschen Grundsaetzen ginge, wuerden
sogar verschiedene Verfasser biblischer Buecher als
literarische Diebe bezeichnet werden muessen. So koennte ich
noch eine ganze, lange Reihe von Beispielen weiterfuehren,
will mich aber damit begnuegen, nur noch unsern
Allergroessten, den Altmeister Goethe und den erfolgreichsten
Romanzier der Neuzeit, Alexander Dumas anzufuehren.
Dumas entlehnte ausserordentlich viel. Er konnte ohne
fremde Hilfe nicht bestehen und ging damit sehr weit
ueber das Mass des literarisch Erlaubten hinaus. So ist
es bekannt, dass er die Erzaehlung von Edgar Poe "Der
Goldkaefer" zu den spannendsten Stellen in seinem "Grafen
Monte Christo" ausgebeutet hat. Und was Goethe betrifft,
so zitiere ich einen kurzen Artikel, der kuerzlich
unter der Ueberschrift "Goethe ueber das Plagiat" durch
die Zeitungen ging:

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